Mobbing, Bossing, Bullying

Mobbing & Bossing im Beruf – der Psychoterror am Arbeitsplatz

Gemäß Untersuchungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin sind in Deutschland über eine Million Menschen Opfer von Mobbing am Arbeitsplatz. Die Dunkelziffer ist hoch (viele Betroffene haben zu große Angst und Scham, sich Hilfe zu suchen oder sich an die Öffentlichkeit zu wenden und tun dies oft nur in allerletzter Konsequenz). Vielen Betroffenen ist jedoch auch nicht klar, dass sie Mobbing-Opfer sind.

Mobbing – ein Modewort?

Der Begriff Mobbing ist zwischenzeitlich zudem zu einem Modewort geworden. Wie schnell benutzt man heute „Mobbing“ als „Modewort“ für einen Konflikt am Arbeitsplatz? Bei allen möglichen und alltäglichen Konflikten wird der Begriff Mobbing oft zu schnell und unbedacht benützt. Andererseits gibt es immer noch zu viele Personen – gerade auch in der Führungsebene in Betriebenen – die Mobbing in Abrede stellen.

Wie ist Mobbing definiert?

Die wichtigsten Definitionen für Mobbing stammen von Heinz Leymann und Axel Esser und Martin Wolmerath.
Unter Mobbing werden negative kommunikative Handlungen verstanden, die gegen einen Einzelnen gerichtet sind, mindestens einmal pro Woche und über einen längeren Zeitraum passieren müssen und Mobber und Gemobbter sich in einer Täter-Opfer-Beziehung befinden. Ziel des Mobbings ist die Entfernung des Gemobbten vom Arbeitsplatz.

Mobbing beschreibt somit ein Verhaltensmuster (und keine Diagnose!), nämlich den „Psychoterror am Arbeitsplatz“. Durch intensive und regelmäßige Handlungsweisen wird versucht, den Gemobbten psychisch zu verletzen um ihn so von seinem Arbeitsplatz zu verdrängen.

Bullying – psychische Gewalt in Kindergärten und Schulen

Unter Bullying versteht man in Deutschland Mobbing-Handlungen unter Kindern und Jugendlichen, beispielsweise in der Schule. Im englischen Sprachraum benutzt man allgemein den Begriff Bullying anstatt Mobbing.

Bossing

Bezeichnet Mobbing-Handlungen durch Vorgesetzte.

Was sind die Ursachen für Mobbing?

Die Ursachen für Mobbing sind sehr vielfältig und finden nicht nur auf der beruflichen, sondern meist auf der persönlichen Ebene des Mobbers ihre Wurzeln. Nachfolgend ein paar Beispiele:

Hohe Arbeitsbelastung, steigender Leistungsdruck, monotone Arbeitsabläufe, drohender Arbeitsplatzverlust oder auch schlechtes Arbeitsklima können auf beruflicher Ebene zum Entstehen von Mobbing beitragen. Leider kommt es auch immer wieder vor, dass Mobbing sogar ganz gezielt zum Mitarbeiterabbau eingesetzt wird.

Auf persönlicher Ebene können (auf Seiten des Mobbers) Neid, Eifersucht, Rache, Hass oder Befriedigung durch Qual und Psychoterror ursächlich sein.

Mobbing kann somit Jeden treffen!

Die Schuld – im Sinne der Ursache – liegt also gar nicht beim Gemobbten. Dennoch suchen die Gemobbten oft zuerst die Schuld bei sich.

Unterscheidung Mobbing – Abgrenzung zu Konflikten

Mobbing muss ganz klar unterschieden werden zu beispielsweise Konflikten am Arbeitsplatz oder Boshaftigkeiten mancher Menschen.

Ziel von Mobbing ist immer die Entfernung des Gemobbten von seinem Arbeitsplatz, also nicht das Finden von Lösungen für Probleme oder eines Kompromisses.

Zudem kann Mobbing zu Beeinträchtigungen führen – gesundheitlich & psychisch – und auch soziale Folgen nach sich ziehen.

Demnach sind psychische Probleme im Rahmen eines Arbeitsplatzkonfliktes immer genau zu untersuchen und Boshaftigkeiten oder Konflikte ganz klar von Mobbing zu unterscheiden.

Ist Mobbing eine Krankheit?

Mobbing selbst beschreib die (Mobbing-)Handlungsweisen des Mobbers. Demnach ist Mobbing selbst keine Diagnose oder Krankheit.

Je nach Dauer und Intensität des Mobbings und der Vulnerabilität des Mobbing-Betroffenen – damit ist die “seelische Verletzlichkeit” des Gemobbten/Opfers gemeint – kann Mobbing jedoch gesundheitliche (physiologische und psychische) sowie soziale Auswirkungen nach sich ziehen.

Mobbing und die Folgen

Neben Leistungsabfall und Kränkung können sich auch verschiedenste seelische und körperliche Probleme bemerkbar machen. Nicht selten glauben Mobbing-Opfer, sie seien ja selbst an der Misere schuld, haben Versagensängste oder Ohnmachtsgefühle. Sie fühlen sich hilflos. Manche Menschen glauben, wenn sie sich selbst ändern, höre der Psychoterror ja vielleicht auf und sie wünschen sich, dass alles wieder so werden könnte wie vor dem Mobbing. Nicht selten zerstört Mobbing den Selbstwert des Betroffenen und sein Vertrauen in sich und andere Menschen.

Mobbing kann zudem negative Auswirkungen auf das Privat- oder das künftige Arbeitsleben haben oder finanzielle Folgen nach sich ziehen (z. B. bei längerer Krankheit, Arbeitslosigkeit).

Was tun bei Mobbing?

Wenn Sie oder ein Ihnen nahestehender Mensch gemobbt wird oder Sie den Verdacht haben, so empfehle ich Ihnen, eine professionelle Beratung aufzusuchen. Wichtig ist es, Mobbing ganz klar von Konflikten abzugrenzen.

Die Unterstützung durch den Prozess sollte ganz individuell für den Mobbingbetroffenen und auf seine individuellen Bedürfnisse angepasst sein. Ebenso sollten alle Mobbing-Aspekte einbezogen werden. Es kann auch hilfreich sein, eine entsprechende Psychotherapie in Anspruch zu nehmen.

Wenn Sie Fragen zu diesem Thema haben oder weitere Informationen wünschen, so berate ich Sie gerne in einem persönlichen Gespräch.